
Der Gedanke war schon immer da. Er war nicht laut, er war eher wie etwas, das man in einer Schublade aufbewahrt und immer flüchtig sieht, wenn man sie öffnet. Ich wäre gerne selbstständig. Aber mir fehlte der Mut. Und außerdem habe ich einen tollen Vollzeitjob als Innenarchitektin – da kann ich auch kreativ sein.
Ich übernachtete in meinem Van in Piombino, der Hafenstadt vor Elba. Mir fehlte der Mut, die Fähre zu nehmen, obwohl ich schon immer davon träumte. Ein Telefonat mit meiner Familie ermutigte mich schlussendlich – was soll schon passieren?Vielleicht war es das Adrenalin, vielleicht die Euphorie, als ich in Elba in den Hafen einfuhr. Es war auf jeden Fall der Moment, in dem die Entscheidung gefallen ist. Der Gedanke sollte nicht länger in der Schublade liegen, er sollte in die Tat umgesetzt werden.
Die Vanreise hat mir so viel mehr über mich und das Leben gelehrt, als ich mir je vorstellen hätte können. In meinem Van, auf einer kleinen italienischen Insel, weg vom Vollzeitjob, weg von der Familie, allein, merkte ich: Die Welt dreht sich weiter auch ohne mich. Ich bin unwichtig. Das klingt im ersten Moment traurig, doch wenn man genauer hinsieht, ist das ein ziemlich befreiender Satz. Denn wenn es egal ist, was ich tue, dann kann ich auch das tun, was ich will.
Ich habe meinen Vollzeitjob gekündigt und mich als Künstlerin selbstständig gemacht.
Und seitdem ist etwas passiert, womit ich nicht gerechnet habe: Je weniger ich versuche, wichtig zu sein, desto mehr Bedeutung bekommt das, was ich mache.
Heute male ich an einer Serie über die planetaren Belastungsgrenzen. Neun Bilder über die Systeme, von denen alles abhängt und über die kaum jemand spricht. Es ist dieselbe Frage wie damals im Van, nur stelle ich sie nicht mehr nur mir: Was ist eigentlich wichtig?
